Klassiker und Designer

Vitra Eames Lounge Chair

by Ray & Charles Eames

Der Eames Lounge Chair entstand 1956 aus der experimentellen Arbeitsweise von Charles Eames und Ray Eames, die Design als iterativen Forschungsprozess verstanden.
Statt eine fertige Form zu entwerfen, arbeiteten sie mit zahlreichen Prototypen und testeten systematisch Material, Ergonomie und Konstruktion.
Zentral war ihr langjähriges Experimentieren mit formverleimtem Schichtholz, dessen Möglichkeiten sie bereits seit den 1940er-Jahren untersuchten.
Die dreiteilige Holzschale des Sessels entstand aus dieser Forschung und verband strukturelle Stabilität mit organischer Formgebung.
Ray und Charles Eames kombinierten dabei handwerkliche Präzision mit industriellen Produktionsmethoden, um ein hochwertiges Serienprodukt zu entwickeln.
Ihre Methodik beruhte auf dem Prinzip „learning by making“: Jede Version des Prototyps führte zu neuen Anpassungen von Sitzwinkel, Polsterung und Materialstärken.
Parallel analysierten sie den Nutzungskomfort, um ein Möbel zu schaffen, das formal modern, aber körperlich entspannt wirkt.
Der Sessel wurde daher bewusst als luxuriöse Neuinterpretation eines traditionellen Clubsessels konzipiert.
Entscheidend war, dass Form, Material und Produktion gleichzeitig entwickelt wurden und nicht nacheinander.
Der Lounge Chair gilt deshalb als exemplarisches Ergebnis der experimentellen, interdisziplinären Designmethodik der Eames.

Cassina LC-Kollektion

by Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand,

Die LC Collection (Cassina) entstand Ende der 1920er-Jahre aus der Zusammenarbeit von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, die gemeinsam nach einer neuen, funktionalen Formensprache für modernes Wohnen suchten.
Im Zentrum ihrer Arbeit stand die Idee, Möbel als „Ausrüstung des Wohnens“ zu begreifen, also als funktionale Elemente einer rational geplanten Architektur.
Die Designer entwickelten ihre Möbel parallel zu architektonischen Projekten und verstanden sie als integralen Bestandteil moderner Lebensräume.
Ein entscheidender methodischer Schritt war die Trennung von tragender Struktur und Polsterung, wodurch eine klare, sichtbare Konstruktion entstand.
Besonders Charlotte Perriand brachte ihre Erfahrung im Umgang mit Metall und industriellen Materialien in den Entwurfsprozess ein.
Die Verwendung von verchromtem Stahlrohr ermöglichte leichte, präzise Strukturen, die sich deutlich von traditionellen Holzsesseln unterschieden.
Gleichzeitig wurden Proportionen und Ergonomie durch zahlreiche Studien zum Sitzen, Liegen und Entspannen entwickelt.
Die ikonischen Modelle – etwa der LC2-Sessel oder die LC4-Liege – entstanden aus dieser Analyse von Körperhaltung und Funktion.
Der italienische Hersteller Cassina nahm die Entwürfe später in seine Produktion auf und entwickelte sie zur autorisierten Serienkollektion weiter.
Die LC-Kollektion gilt deshalb als frühes Beispiel für eine systematische, architektonisch geprägte Designmethodik im modernen Möbeldesign.

Thonet Freischwinger

by Marcel breuer

Die Thonet Freischwinger gehen auf Entwürfe von Marcel Breuer aus den späten 1920er-Jahren zurück, die im Umfeld des Bauhaus entstanden.
Breuer suchte nach einer radikal neuen Sitzkonstruktion, die sich von den traditionellen vierbeinigen Stühlen löst und stattdessen eine freitragende Struktur nutzt.
Die entscheidende Idee war ein durchgehendes Stahlrohrgestell, das durch seine Elastizität eine leichte Federbewegung beim Sitzen ermöglicht.
Breuer übertrug dabei industrielle Materialien und Fertigungstechniken in den Möbelentwurf, inspiriert unter anderem von der Konstruktion moderner Fahrräder.
Seine Methodik beruhte auf experimentellen Materialstudien, bei denen er die statischen und elastischen Eigenschaften von Stahlrohr systematisch untersuchte.
Durch diese Experimente entwickelte er eine Konstruktion, bei der das Gestell zugleich tragendes Element und formgebende Struktur ist.
Sitz- und Rückenflächen wurden bewusst als einfache Bespannungen aus Leder oder Geflecht gestaltet, um die technische Klarheit der Konstruktion sichtbar zu lassen.
Der Stuhl entstand somit aus dem Zusammenspiel von Materiallogik, Funktion und reduzierter Formensprache.
Der Möbelhersteller Thonet erkannte das Potenzial dieser Konstruktion und brachte den Freischwinger in Serie.
Damit wurde der Freischwingerstuhl zu einem der prägendsten Beispiele für die experimentelle, materialorientierte Designmethodik der Bauhaus-Moderne.

USM Haller

by Fritz Haller, Paul Schärer

Das modulare Möbelsystem USM Haller entstand in den 1960er-Jahren aus der Zusammenarbeit des Architekten Fritz Haller und des Unternehmers Paul Schärer beim Schweizer Unternehmen USM U. Schärer Söhne AG.
Ausgangspunkt war zunächst die Planung eines neuen Fabrik- und Bürogebäudes, bei dem Haller ein streng modulares architektonisches Raster entwickelte.
Die Möbel entstanden anschließend als direkte Fortsetzung dieser Architekturidee, um flexible Arbeitsräume zu ermöglichen.
Haller übertrug sein architektonisches Ordnungssystem auf den Möbelentwurf und entwickelte ein modulares Konstruktionsprinzip aus Stahlrohren und Verbindungsknoten.
Die zentrale technische Innovation war eine kugelförmige Verbindung, die Rohre und Paneele zu frei kombinierbaren Strukturen zusammenfügt.
Diese Konstruktion erlaubte es, Möbel nicht als feste Objekte, sondern als erweiterbare Systeme zu denken.
Paul Schärer brachte dabei die industrielle Perspektive ein und unterstützte die Entwicklung einer präzisen Serienproduktion.
Gemeinsam verfolgten sie eine Methodik, die Architektur, Konstruktion und industrielle Fertigung als zusammenhängenden Prozess verstand.
Die Gestaltung wurde bewusst reduziert, damit Funktion, Struktur und Modularität im Vordergrund stehen.
So entstand mit USM Haller ein Möbelsystem, das auf langfristige Anpassbarkeit und systematisches Design statt auf einzelne Möbelobjekte ausgerichtet ist.